Marlen Zeisl: Irreversible (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Freitag, 05. Juni 2026 11:47

Marlen Zeisl
Irreversible
2026, Paperback, 338 Seiten, 16,99 EUR
Rezension von Christel Scheja
Marlen Zeisl erzählt in ihren Geschichten gerne von gesellschaftlichen Entwicklungen und analysiert auf unterhaltsame Weise die Auswirkungen, die genau diese Erwartungen und Normen auf Menschen haben. Das merkt man auch ihrem neusten Buch an, „Irreversible“, das sich mit einem hochaktuellen Thema beschäftigt.
Alea hat gelernt, die Erwartungen zu erfüllen, die andere an sie richten, seien es nun Freunde und Familie, aber auch natürlich ihr Arbeitgeber. Sie funktioniert wie eine gut geölte Maschine im Beruf wie auch im Privatleben.
Der Druck wächst immer mehr und damit kommen die Fehler, aber auch der Punkt, der das Fass zum Überlaufen bringt. Sie bricht zusammen, funktioniert nicht einmal mehr und vergräbt sich. Erst nach einer ganzen Weile beginnt sie einen Weg aus dem Sumpf zu finden, in dem sie versackt ist.
Die Kernaussage der Geschichte ist klar. Sie beschreibt ein Schicksal, das viele Männer und Frauen heute kennen. Auf der einen Seite erwartet man, dass sie für die Familie da sind, selbst als Single, auf der anderen Seite sollen sie auch im Beruf Leistung bringen. Und wenn genau das nicht mehr gelingt, wird quasi noch mehr Öl aufs Feuer geschüttet - was zu einem massiven Zusammenbruch führt. Die Heldin kann buchstäblich nicht mehr und hört auf zu funktionieren. Und dann ist da auch erst einmal kein Netz, sie wird alleingelassen, weil niemand versteht, was passiert ist.
Erst nach und nach beginnt sie sich aus dem Tief zu arbeiten, über sich nachzudenken und kleine Schritte zu machen, die ihr nicht nur Klarheit, sondern auch Besserung bringen. Sie lernt dabei viel über sich - und der Gestaltung als Roman ist es dann wohl auch geschuldet, dass sie ein neues Leben beginnen kann.
Dennoch ist die Geschichte berührend geschrieben und erzählt von gut nachvollziehbaren Momenten, gibt aber auch kleine Anregungen, wie man sich vielleicht selbst helfen kann und nicht zuletzt auch den Trost, dass Rückschläge kein Versagen ist.
Die Heldin braucht auch ihre Zeit, um sich aus dem Sumpf zu ziehen, sucht und findet Hilfe und Unterstützung. Dass sie nicht immer Glück hat, ist nur allzu menschlich und gibt dem Buch eine realistische Tiefe. Dabei setzt die Autorin auf die kleinen Dinge, auf das was wirklich für einen persönlich in diesem Moment wichtig ist, eine Botschaft, die auch ihre Leser erreichen soll. Und dabei ist es nicht wichtig, ob man erst um die Dreißig oder schon Ende Vierzig ist.
Das macht „Irreversible“ zu einem so berührenden wie interessanten Buch, das eine realistische Lebensgeschichte mit einem ernsten Thema - aber auch einem guten Schuss an Hoffnung - versieht und dadurch zu fesseln weiß, wenn man für diese Dinge ein offenes Ohr hat.