Eleanor Barraclough: Im Schein von Gold und Feuer - Die verborgene Welt der Wikinger (Buch)

Eleanor Barraclough
Im Schein von Gold und Feuer - Die verborgene Welt der Wikinger
(Embers of the Hands, 2024)
Übersetzung: Cornelius Hartz
Penguin, 2026, Paperback, 496 Seiten, 22,00 EUR

Rezension von Christel Scheja

Fernsehserien und Filme haben in den letzten zwanzig Jahren das Bild der Wikinger in einer Weise geprägt, die sich tief in die Köpfe ganzer Generationen gebrannt hat. Zwar sind Hörnerhelme nicht mehr Up-to-Date, wohl aber wilde Frisuren und ein halbnacktes Auftreten in Leder und Nieten. Doch auch das hat mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun. Diese jedoch will Eleanor Barraclough in ihrem populärwissenschaftlichen Sachbuch „Im Schein von Gold und Feuer - Die verborgene Welt der Wikinger“ vorstellen.

 

Wer sind die Wikinger und wo kommen sie eigentlich her? Wann haben sich die Völker Skandinaviens zu dem entwickelt, was über Jahrhunderte das Bild Europas prägen sollte? Wie so viele andere geht die Autorin auch erst einmal darauf ein und stellt kurz die Geschichte der Nordmänner vor, konzentriert sich dabei wirklich mehr auf die Bewohner Skandinaviens als die Siedler, die später zu Normannen und Rus wurden.

Doch die politische Geschichte steht nicht im Vordergrund, eher das alltägliche Leben in den nordischen Ländern, auf Island und auf Grönland und die Gesellschaft, die sich dort herausbildete. Wie sah die Stellung der Frauen wirklich aus, wie die der Sklaven, die auch überall präsent waren?

Kleidung, Frisuren und Nahrung, aber auch die Gesundheit der Nordmänner werden vorgestellt und Vieles mehr, das ein ebenso lebendiges wie buntes Bild der seefahrenden Skandinavier geben will, die eben nicht nur ständig auf Beutezug waren, sondern auch erfolgreich Handel trieben und als Entdecker immer neue Lebensräume erschlossen. Dabei geht die Autorin nicht unbedingt chronologisch vor, sondern nimmt sich einen Teilbereich vor und erklärt dann, welche Auswirkungen das etwa auf das Aussehen der Wikinger hatte, ihr Selbstverständnis und die Gesellschaft.


Sie konzentriert sich bewusst auf die einfachen Menschen, die nur zu leben und überleben versuchten, die ihren Alltag auf Höfen und im Kreis der Familie verbrachten und nicht nach Ruhm strebten, sich aber wohl zu erzählen wussten. Deshalb bieten auch immer wieder kleine Alltagsgegenstände aus dem Moor von Vimose Ausgangspunkte für Beschreibungen, die teils auf Forschungsergebnissen beruhen, teilweise aber auch durchaus Interpretation und Spekulation sind. Und auch Spiel und Spaß werden in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext betrachtet.

Barraclough beschreibt dies in einem auch für Laien verständlichen Stil, der gelegentlich auch den einen oder anderen Schmunzler erlaubt, wenn sie etwa auf den Umgang der Wikinger mit erotischen Details und Humor eingeht, deren Flüche und Witze erzählt. Gerade da erfährt man so einiges Neues und merkt, dass die durchschnittlichen Wikinger eher normale Menschen waren, die weder etwas mit den Heroen alter Zeit noch den Heavy-Metal-Barbaren der Moderne zu tun haben.

Das Ganze ist gut zu lesen und ohne Längen erzählt, durch die verschiedenen Bereiche, die jedoch auch immer wieder ineinander fließen, kommt eine gute Spannung auf, von trocknen Beschreibungen und Fachchinesisch ist nichts zu spüren.

Deshalb sei „Im Schein von Gold und Feuer - Die verborgene Welt der Wikinger“ all jenen empfohlen, die mehr über die Nordmänner und ihre Kultur erfahren und dabei auch tiefer in deren Gesellschaft und Normen eintauchen möchten, abseits der Klischees, die Jahrhunderte der Vorurteile über diesen aufgehäuft haben.