Robert Gold: Niemand wird sie finden (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Dienstag, 19. Mai 2026 10:56

Robert Gold
Niemand wird sie finden
(Ten Seconds, 2024)
Übersetzung: Ivana Marinovic
Goldmann, 2026, Taschenbuch, 464 Seiten, 14,00 EUR
Rezension von Christel Scheja
Thriller haben es heute so an sich, dass auch die Psyche des Täters genauer unter die Lupe genommen wird und diese damit oft mehr Profil erhalten als die Opfer und oft genug nicht einmal die wirklich Schuldigen sind. Das ist tatsächlich auch in „Niemand wird sie finden“ von Robert Gold so.
Schon bei der Geburtstagsfeier eines Kollegen fällt dem Journalisten Ben Harper auf, dass seine Chefin Madeline Wilson irgendwie angespannt wirkt. Er sieht auch noch, dass sie in einen Wagen steigt - nichts Ungewöhnliches - bis herauskommt, dass sie ab dem Zeitpunkt verschwunden ist.
Die Polizei macht sich nach gegebener Zeit an die Ermittlungen und auch Ben stellt seine Nachforschungen an. Er findet heraus, dass genau der Mann gerade erst aus dem Gefängnis entlassen wurde, dessen Verurteilung sie maßgeblich mitbeeinflusst hatte. Und ihm wird klar, dass vielleicht mehr hinter allem steckt als gedacht - damals wie heute.
Die Handlung ist klassisch: Eine Person verschwindet, es gibt einen Mord und dadurch wird auch noch ein Verbrechen wieder neu aufgerollt, das bereits einige Jahre zurückliegt - und durch die Verstrickungen werden wieder neue Fragen aufgeworfen.
Der Autor spult das Geschehen sehr klassisch ab, denn nach und nach wird auch noch klar, dass der vermeintlich Schuldige vielleicht nicht unbedingt der Täter war, den sie wirklich suchen. Aber es bleibt auch nicht unbedingt Zeit, länger darüber nachzudenken, da immer wieder etwas Neues passiert, was den Journalisten und auch die Polizei in Atem hält.
Ben Harper betätigt sich als Ermittler und schaut sich gewisse Leute genauer an, so dass nach und nach ein klareres Bild entsteht. Allerdings bewegt er sich dabei auf ausgetretenen Pfaden, denn erfahrene Leser werden sehr schnell ahnen, auf was das alles schon wieder hinausläuft und wer der wahre Schuldige ist. Die Figuren erhalten insgesamt nur wenig Profil, gerade die Nebencharaktere, so dass man nicht wirklich an deren Schicksal Anteil nimmt.
Alles in allem ist die Geschichte aber flott geschrieben und hat keine Längen, wenngleich sie auch nicht sonderlich in die Tiefe geht und die Geschehnisse gerade für erfahrene Leser überschaubar bleiben. So wird der Thriller wahrscheinlich nicht wachhalten wie behauptet, kann aber durchaus entspannende Reiselektüre sein.
„Niemand wird dich finden“ ist damit solide Thriller-Kost, die man lesen kann, aber nicht unbedingt kennen muss, da die Geschehnisse viel zu oberflächlich sind, um wirklich etwas in Erinnerung zu bleiben. Aber die Lektüre kann durchaus entspannend und kurzweilig sein.