Jennifer Ebbinghaus: Soul - Die Bürde des Blutmondes (Buch)

Jennifer Ebbinghaus
Soul - Die Bürde des Blutmondes
Titelbild: Sarah Scheumer
eda, 2026, Paperback, 396 Seiten, 22,00 EUR

Rezension von Christel Scheja

„Soul - Die Bürde des Blutmondes“ mag auf den ersten Blick wie eine klassische Young-Adult-Fantasy-Geschichte wirken, aber hinter dem ruhig und doch lebensnah erzählten Roman steckt viel mehr, wie die Autorin im Nachwort verrät. Das Buch ist auch nicht ohne Grund vegan produziert. Es kommt mit einer hübschen Gestaltung und einem passenden Farbschnitt daher.


Ramira hat es nicht gerade leicht, denn als Tochter der Alpha soll sie einmal in die Fußstapfen ihrer Mutter treten. Doch als Mondgeborene ist das Gestaltwandeln nicht gerade einfach, vor allem, weil zudem auch noch ein starker Erwartungsdruck auf ihr lastet.

Auch Leif ist nach einem traumatischen Erlebnis in seiner Gestalt gefangen. Er ist nach dem gewaltsamen Tod nur noch ein Wolf und träumt davon, Rache an dem grausamen Blutkönig zu nehmen, der die Grenzen seines Reiches immer weiter ausdehnt und nun auch nach Ramiras Volk greift.


Welcher Jugendliche kennt das nicht? Eltern haben große Erwartungen an ihre Kinder und setzen sie so unter Druck. Das bekommt auch Ramira zu spüren, die es einfach nicht schafft, sich in ein anderes Wesen zu verwandeln, ein Tier, das dem ihrer Seele entspricht. Und das lässt sie verzweifeln. Trost findet sie nur bei einem Wolfswelpen, der sie gut zu verstehen scheint.

Und so wie das Mädchen lernt, mit ihrem scheinbaren Makel zurechtzukommen, so schafft es auch Leif nach und nach, die Angst und den Groll loszulassen, die ihn in ihrem festen Klammergriff halten. Denn es ist wichtig, dass er wieder zu sich und damit auch zu Ramira findet, die die letzte Hoffnung ihres Volkes zu sein scheint.

Der Blutkönig und sein Reich bleiben hier eher eine diffuse Gefahr. Die Figuren hören nur schlimme Dinge und spüren die Auswirkungen, aber das ist von der Autorin so gewollt. Sie bietet bewusst erst einmal das Lesevergnügen mit sympathischen Figuren an, bevor sie die Botschaft dahinter enthüllt. Denn im Grunde handelt es sich bei der Fantasy-Geschichte um eine Parabel, hinter der sich die wahre Welt versteckt und all die Grausamkeiten, die Menschen vor allem Tieren angetan haben und in großem Maße antun. Die Aussagen sind und bleiben dezent, könnten aber feinfühlige und aufmerksame Leserinnen und Leser zum Nachdenken und unter Umständen sogar Umdenken anregen.

Wer nicht so tief eintauchen möchte, kann auch die Geschichte genießen, in der es um das Erwachsenwerden und in die Verantwortung hineinwachsen geht. Das Ganze wird in einem modernen Stil präsentiert, der schon für Jugendliche ab zwölf oder dreizehn Jahren gut verständlich ist.

„Soul - Die Bürde des Blutmondes“ ist eine Fantasy-Geschichte, die eher leise daherkommt und vordergründig eine sehr bekannte Handlung abspult. Allerdings werden diejenigen, die bereit sind, hinter die Fassade zu blicken, schon bald sehr viel mehr entdecken.