Benedict Jacka: Eine Frage der Magie - Haus Ashford 3 (Buch)

Benedict Jacka
Eine Frage der Magie
Haus Ashford 3
(A Judgement of Powers, 2026)
Übersetzung: Michelle Gyo
Blanvalet, 2026, Paperback, 398 Seiten, 17,00 EUR

Rezension von Carsten Kuhr

Stephen Oakwood ist kein Held, wie man ihn sich gemeinhin vorstellt. Er schlägt sich - begleitet von seinem Kater - eher schlecht als recht durch ein London, das nur auf den ersten Blick gewöhnlich wirkt. Die Mutter, Abkömmling eines wohlhabenden Hauses, verschwand früh aus seinem Leben, der Vater folgte ihr auf andere Weise und hinterließ nichts als einen Brief und jede Menge offener Fragen.

Diese Fragen führen Stephen unweigerlich zu seiner Herkunft - dem Haus Ashford, einem alten, schwerreichen Magieradel, der mit ihm nichts zu tun haben will… was umgekehrt genauso gilt. Dass Stephen dennoch über magische Fähigkeiten verfügt, ja, dass er die sogenannte Drucraft nicht nur instinktiv beherrscht, sondern sogar sehen kann, macht ihn zu einer Anomalie in einer Welt, die klare Hierarchien und geregelte Zugänge zur Macht kennt.

 

Jacka entfaltet aus dieser Konstellation ein Szenario, das sich zwischen klassischer Urban Fantasy und sozialer Allegorie bewegt. Stephen arbeitet als Leibwächter für seinen Stiefbruder, führt Gespräche mit einem Priester, der mehr weiß, als er sollte, und gerät ins Fadenkreuz der „Geflügelten“, einer von zwei Mächten, die im Verborgenen um die Vorherrschaft ringen. Es ist ein Leben im Provisorium, im Improvisierten - und genau darin liegt der Reiz. Denn wo Institutionen versagen oder ausschließen, beginnt Stephens eigentliche Stärke: Er eignet sich die Mittel seiner Welt selbst an, erschafft Sigils, beschafft Essentia, überschreitet Grenzen.

Benedict Jacka bleibt sich auch in seiner neuen Reihe bemerkenswert treu. Nach dem Abschluss seines „Alex Verus“-Zyklus variiert er vertraute Motive: der Außenseiter als Protagonist, eine streng regulierte magische Gesellschaft, Macht als knappes und ungleich verteiltes Gut. Doch während die Struktur bekannt erscheint, verschieben sich die Akzente. Die Welt wirkt roher, unmittelbarer - und vielleicht gerade deshalb zeitgemäßer.

Allerdings hat diese erzählerische Offenheit ihren Preis. Die ersten Hälften der bislang erschienenen Bände neigen zur Überfrachtung. Ideen, Konzepte und Andeutungen drängen sich mitunter ungeordnet in den Vordergrund. Es wirkt, als schreibe Jacka zunächst gegen die eigene Imagination an, um sie im zweiten Teil wieder einzufangen. Dass ihm diese Rückbindung meist gelingt, ist bemerkenswert - wenn auch nicht immer vollkommen überzeugend.

Gerade aus dieser Spannung bezieht der Text seine eigentümliche Energie. Jacka schreibt mit sichtbarer Lust an der Handlung, an der Zuspitzung, an der ironischen Entwicklung seiner Figuren und Welt-Entwürfe. Das Ergebnis ist kein makelloses, dafür aber ein ausgesprochen lebendiges Erzählerlebnis - eines, das seine Leser weniger durch Perfektion als durch Dynamik und Einfallsrei