Herbert Pelzer: Der rote Berg (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Montag, 27. April 2026 12:55

Herbert Pelzer
Der rote Berg
Eifeler Literaturverlag, 2026, Paperback, 15,00 EUR
Rezension von Christel Scheja
Gut neunzig Jahre sind vergangen, seit die Nazis die Macht in Deutschland übernahmen und mit ihrem „Dritten Reich“ ein Regime schufen, das noch heute wie ein schwarzer Schatten über dem Land liegt. Doch wie hat der Alltag bei den Menschen ausgesehen, die fernab der großen Bühne lebten und damals vielleicht gerade erst groß wurden? Von einem solchen Schicksal erzählt „Der rote Berg“ von Herbert Pelzer.
Berthold Zündorf, auch Bertho genannt, lebt mit seinen Eltern auf einem kleinen Hof am Nordrand der Eifel. Das Leben ist hart und entbehrungsreich, aber Bertho hat Zeit zu träumen und sich vor dem mythischen Mossel zu fürchten. Aber schon bald holt ihn die harte Wirklichkeit auf den Boden der Tatsachen zurück.
Mit der Übernahme der NSDAP verändert sich Vieles. Nun spielen sich die Leute auf, die sich unter dem Schutz der Partei Macht und Reichtum erhoffen. Berthold kann dem allen - auch der Hitlerjugend - nicht viel abgewinnen. Aber er schweigt, anders als sein großes Vorbild, der Maler Gustaf Heister…
Relativ unspektakulär, aber nahe an den Figuren und der Zeit verfolgt Herbert Pelzer das Leben von Bertho vor allem zwischen 1930 und 1947, der nicht zu den Privilegierten gehörte, sondern eher zu den einfachen Menschen, die mit harter Arbeit durchzukommen versuchten und daher die große Politik aber nur am Rande beobachteten.
Es bleibt lange Zeit beschaulich, aber mit der Machtergreifung der Nazis verändert sich auch die Dynamik im Dorf. Interessant ist auch zu sehen, dass sich Bertho nicht unbedingt von den Parolen der Pimpfe und Hitlerjugend mitreißen lässt, sondern eher unangenehm berührt bis abgestoßen fühlt.
Er lehnt sich nicht dagegen auf, behält aber im Inneren immer seine Haltung und Meinung, versucht trotz der strengen Regierung und des Krieges irgendwie seinen Weg zu gehen und durchzuhalten.
Das wird sehr lebensnah beschrieben, der Autor gibt durchaus die Gefühle der Menschen wieder, ohne dabei melodramatisch zu werden.
Das Buch bietet so auch jüngeren Generationen Einblick in das Leben in einer Zeit, die nicht gerade einfach war und erinnert an die vielen Menschen, die wie Bertho vielleicht schwiegen, aber letztendlich nicht von der Ideologie der Nazis durchdrungen wurden. Und auch diese sollte man nicht vergessen, gerade in einer Zeit, in der Haltung umso wichtiger wird. Zudem wird auch der Lokalkolorit gut eingefangen, man fühlt sich bildlich in die ländliche Eifel vor neunzig Jahren zurückversetzt.
Auch wenn man es nicht auf den ersten Blick sieht, so ist doch „Der rote Berg“ ein wichtiger Roman, beschreibt er doch glaubwürdig und nachvollziehbar ein Leben im Schatten der Nazi-Zeit, wie es viele damals erlebt haben dürften. Und er erinnert daran, dass vielleicht viele mitgemacht haben, weil sie mussten, sich aber nie der Ideologie ergaben, auch wenn sie schwiegen.