Sherlock & Daughter - Season 1 Box (DVD)

Sherlock & Daughter - Season 1 Box
USA 2025

Rezension von Christel Scheja

Sherlock Holmes gehört zu den literarischen Figuren, die immer wieder neu aufgegriffen und interpretiert werden. Nachdem frühere Adaptionen ihn zum Beispiel in die Moderne versetzten oder die viktorianische Zeit mit Steampunk-Elementen aufpeppten, gibt es jetzt entweder Einblicke in seine Jugendjahre, oder aber die Geschichten sie spielen mit dem Gedanken, dass er doch Nachkommen hatte, wie etwa in der amerikanischen Serie „Sherlock & Daughter“.


Sherlock Holmes steckt in einem Dilemma. Es mag ja sein, dass James Moriarty keine Gefahr ist, aber nun haben Unbekannte seine besten Freunde Dr. Watson und Mrs. Hudson entführt und an einen unbekannten Ort verschleppt. Während er versucht, das Rätsel um den „Roten Faden“ zu lösen, taucht überraschend die junge Amerikanerin Amelia Rojas bei ihm auf.

Sie behauptet seine Tochter zu sein, zumindest hat ihr ihre Mutter die Anweisung gegeben, sich zu ihm zu begeben. Da sie ermordet worden ist und einige Hinweise auf London hindeuten, bittet sie ihn um Hilfe. Schon bald zeigt sich, dass beide nach den gleichen Leuten suchen und sie beschließen zusammenzuarbeiten, auch wenn sie grundverschieden sind.


Kann jemand wie Sherlock Holmes Nachkommen haben? Wie man sich denken kann, bleibt die Serie eine klare Antwort schuldig, doch das ist nicht einmal so wichtig. Denn nach und nach kommen sich die beiden näher, beweist doch auch Amelia, dass sie nicht auf den Kopf gefallen ist, gut beobachten und kombinieren kann.

Auf ihre zunächst sehr unterschiedlichen Vorgehensweisen machen sie sich daran, mehr herauszufinden und stoßen schon bald auf eine Verschwörung, die weiter reicht als gedacht. Immer wieder gibt es neue Andeutungen und Wendungen, die den Fokus erweitern und frühere Vermutungen ad absurdum führen.

Durch diesen Fakt zieht sich eine Handlung durch die ganze Serie, auch wenn es immer wieder kleine Zwischen-Erfolge gibt. Doch erst nach und nach enthüllen sich die Zusammenhänge und Verwicklungen, Figuren stoßen hinzu, die neue Dynamik in die Sache bringen. Die Geschichte ist daher bewusst auf die Figuren zentriert, es gibt nur wenig Action und punktiert Drama, um für zusätzliche Spannung zu sorgen.

Mit David Thewlis steht ein älterer Sherlock Holmes im Mittelpunkt, der weniger körperlich als mit dem Kopf arbeitet und dabei auch seine guten Verbindungen zur Polizei und anderen Stellen nutzt. Er ist brillant, aber weniger arrogant als andere Verkörperungen des Meisterdetektivs.

Amelia Rojas als Gegenstück kommt wie eine typische selbstbewusste moderne Heldin ins Spiel, die sich durch ihre besondere Herkunft weniger um Herkunft und Stand schert und damit auch ganz gut durchkommt.

Um Holmes und sie gruppieren sich weitere Figuren mit interessanten Facetten, die sich nach und nach zeigen und damit immer wieder Überraschungen miteinbringen.

Das alles schafft eine interessante Atmosphäre, die die Stimmung der spätviktorianischen Epoche gelungen einfängt, aber doch auch recht moderne Züge hat, die auf viele Zuschauer ansprechend wirken dürfte.

Die Handlung ist klug aufgebaut und hat dadurch keine Längen. In jeder Folge werden zudem Hinweise ausgeworfen, so dass die Geschichte am Ende einen runden Abschluss findet, auch wenn ein paar Kleinigkeiten offenbleiben, die eine zweite Staffel begünstigen könnten.

„Sherlock & Daughter“ ist eine weitere Serie um den Meisterdetektiv, die dem Mythos eine weitere Facette hinzufügt. Durch Amelia Rojas kommt eine neue Dynamik in das Zusammenspiel des älter werdenden Holmes, der zudem erst einmal ohne seine langjährigen Freunde auskommen muss. Die Geschichte berücksichtigt aber auch das Wesen des ikonischen Charakters und setzt ihn so ein, wie man es gewohnt ist: als Mann des Geistes, der zudem auch noch zum Lehrmeister der ebenso brillanten jungen Frau wird, die so überraschend in sein Leben tritt.