LJ Andrews: The Ever Queen - Die Versuchung des Meeres 2 (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Montag, 23. März 2026 15:14

LJ Andrews
The Ever Queen
Die Versuchung des Meeres 2
(The Ever Queen (The Ever Seas Book 2), 2024)
Übersetzung: Maike Claußnitzer
Blanvalet, 2026, Paperback, 592 Seiten, 17,00 EUR
Rezension von Carsten Kuhr
Mit „The Ever Queen“ setzt LJ Andrews die Geschichte fort, die mit „The Ever King“ begann und lose mit der Reihe „The Broken Kingdoms“ verbunden ist.
Im Zentrum steht erneut die Beziehung zwischen Prinzessin Livia und dem zukünftigen Faekönig Erik Blutsänger. Was als Gefangenschaft und Racheplan begann, hat sich längst zu einer schicksalhaften Bindung entwickelt: Nachdem es dem Meerfaekönig gelungen ist, die Barriere zu durchbrechen, die sein Volk gefangenhielt, entführt er Livia in sein Reich - entschlossen, sie zu der Seinen zu machen. Statt Rache entsteht jedoch Liebe, und Livia wird schließlich zur ersten Everqueen der Meerfae.
Allein, das Glück währt erwartungsgemäß nicht lange. Verrat aus den eigenen Reihen trennt das Paar erneut, Intrigen bedrohen das fragile Bündnis zwischen den Völkern, und beide müssen an unterschiedlichen Fronten um Freiheit, Macht und Vertrauen kämpfen…
Der Band folgt damit konsequent den bekannten Mustern der aktuellen Romantasy-Welle; verfeindete Reiche, ein Liebespaar zwischen den Fronten, Verrat aus dem innersten Kreis und eine übergeordnete Macht, die im Hintergrund die Fäden zieht.
Andrews beherrscht diese Zutaten routiniert. Die Handlung bleibt durchgehend flott, Konflikte werden klar gesetzt, und die wechselnden Perspektiven sorgen für ein hohes Tempo. Besonders die Trennung der beiden Hauptfiguren schafft Raum für parallele Handlungsstränge, die sich zwischen Gefangenschaft, politischem Ränkespiel und abenteuerlichen Rettungsaktionen bewegen. Einzelne Passagen erinnern mit ihren Seereisen, Inselverstecken und magischen Barrieren fast an klassische Piraten-Abenteuer, was der Geschichte spürbar guttut.
Allerdings zeigt sich hier auch die größte Schwäche des Romans. Trotz zahlreicher Ortswechsel und neuer Figuren bleibt das Worldbuilding erstaunlich vage. Die verschiedenen Fae-Völker, ihre Reiche und ihre politischen Konflikte werden zwar ständig beschworen, gewinnen aber selten wirkliche Kontur.
Nebenfiguren erfüllen meist funktionale Rollen, ohne nachhaltig Eindruck zu hinterlassen, und auch die Antagonisten bleiben eher schematisch. Intrigen, Halbbrüder, eifersüchtige Rivalinnen und dunkle Hexen tauchen zuverlässig auf, wirken jedoch mehr wie vertraute Versatzstücke des Genres als wie eigenständige Figuren.
Im Mittelpunkt steht weiterhin die Beziehung zwischen Erik und Livia, und hier spielt Andrews ihre größte Stärke aus. Die Dynamik zwischen den Beiden trägt den Roman, selbst dann, wenn die Handlung ins Formelhafte kippt. Die Autorin weiß genau, was ihr Publikum erwartet: moralisch ambivalente, attraktive Figuren, eine Liebe unter schwierigen Vorzeichen und ausreichend Leidenschaft, ohne die Balance zum Abenteuer zu verlieren. Dass die Beiden über weite Strecken getrennt sind, verhindert zudem, dass die romantischen Elemente überhandnehmen, und sorgt für zusätzliche Spannung.
Sprachlich bleibt der Roman eher schlicht. Große stilistische Ambitionen verfolgt Andrews nicht, dafür funktioniert das Erzähltempo zuverlässig. Positiv fällt auch auf, dass der Band mit einer Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse einsetzt - eine hilfreiche Entscheidung bei einer Reihe, die zunehmend verzweigt.
Ergänzt wird das Buch durch Rundumfarbschnitt, Bonusmaterial und ein Glossar, was vor allem Fans der Serie entgegenkommen dürfte.
Am Ende liefert „The Ever Queen“ genau das, was man von dieser Reihe erwarten kann: solide konstruierte Romantasy mit stärkerem Abenteuer-Anteil, klaren Konflikten und einem Abschluss, der zufriedenstellt, ohne alle Türen zu schließen.
Die Geschichte um Schlange und Singvogel wirkt vorläufig beendet, doch zahlreiche Andeutungen lassen wenig Zweifel daran, dass die Welt der Fae noch lange nicht auserzählt ist. Für Genre-Fans ist das eine Verheißung - für kritischere Leser zugleich ein Hinweis darauf, wie sehr sich diese Fantasy inzwischen auf bewährte Muster verläs