Mac P. Lorne: Robert Surcouf - Der Tiger des Indischen Ozeans (Buch)
- Details
- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Mittwoch, 21. Januar 2026 16:06

Mac P. Lorne
Robert Surcouf - Der Tiger des Indischen Ozeans
Knaur, 2025, Paperback, 448 Seiten, 17,99 EUR
Rezension von Christel Scheja
Wenn man an Freibeuter und Piraten denkt, kommen einem meistens englische Namen in den Sinn. Gerade bei den Korsaren stehen tapfere britische Seeleute im Mittelpunkt der Geschichten, die vor allem Frankreich und Spanien zusetzten. Weniger im Fokus der Literatur und Popkultur stehen dagegen Helden wie „Robert Surcouf - Der Tiger des Indischen Ozeans“. Dem hilft Mac P. Lorne nun mit seinem Buch ab.
Priesterschüler, Blinder Passagier und letztendlich sogar Marineleutnant. Robert Surcouf fällt das erste Mal auf, als er von den Engländern gefangengenommen wird, aber entkommt und Napoleon Bonaparte wichtige Hinweise zur Befreiung der Stadt Toulon gibt. Danach macht er Karriere - vor allem als Kaperfahrer im Indischen Ozean.
Schon bald hat er einen legendären Ruf, den aber auch nicht alle zu schätzen wissen, wie etwa der Gouverneur der „Ile de France“, die später als „Mauritius“ bekannt wird.
Doch Robert lässt sich nicht beirren und folgt seinem Kurs, bleibt sich dabei aber auch immer selbst treu und bewahrt den richtigen Anstand.
Vielleicht ist der eine oder andere schon einmal über die beiden Filme aus den 60er Jahren gestolpert, die den mutigen Korsaren in einem romantisierten Licht gezeigt haben, aber ansonsten gehört er wohl zu den Seehelden, die außerhalb der Heimat eher weniger beachtet wurden.
Die Geschichte beginnt 1786 mit Roberts Flucht aus dem Priesterkonvent, denn eigentlich sollte er eine geistliche Laufbahn einschlagen, aber der Junge hat seinen eigenen Kopf und will es seinem berühmten Vorfahren gleichtun. Und es zeigt sich schnell, dass er das Talent dafür hat, ein Schiff zu führen, schon als er noch Mannschaftsmitglied und Offizier ist. Dabei kommt ihm sein starker Wille zugute und vielleicht auch seine Respektlosigkeit gegenüber Obrigkeiten, selbst gegenüber einem so mächtigen Mann wie Napoleon Bonaparte, dessen Wege sich immer wieder mit dem seinen kreuzte. Aber er ist auch ein brillanter Taktiker, und das nicht nur im nautischen Sinn.
Mac P. Lorne beschreibt das schillernde Leben des Seemanns, der sich Anstand und Menschlichkeit bewahrte, zwar recht zusammenfassend, hebt aber auch immer wieder wichtige Schlüsselmomente in seinem Lebensweg hervor, so dass die Geschichte niemals langweilig wird, gerade auch weil er den Menschen hinter der Legende nicht außer Acht lässt. Dabei bleibt er nahe an der Wirklichkeit und zeigt auch die menschliche Seite des Korsaren, der sicher auch ein findiger Seeheld und Geschäftsmann war. Familie ist ihm wichtiger als Ruhm, er steht zu denen, die ihm wichtig sind, aber er besitzt anders als viele Freibeuter auch Anstand und Moral, so dass selbst die Feinde anerkennend über ihn sprechen, selbst als er - zur Legende geworden - gerade den Engländern ordentlich Schwierigkeiten macht.
Und das sorgt für jede Menge Sympathie und Nähe beim Leser, denn man fiebert dadurch umso mehr mit einem Mann, der so gar nicht in das Bild eines Piraten passen will.
Auch der Hintergrund ist gut ausgearbeitet und recherchiert. Man fühlt sich gut in die Zeit der Revolution und Napoleons zurückversetzt, erlebt Vieles auch einmal aus einer anderen und auch sehr differenzierten Sicht.
So weiß „Robert Surcouf - Der Tiger des Indischen Ozeans“ abseits aller Piraten-Klischees in den Bann zu schlagen und versetzt einen in eine Zeit, in der es manchmal klüger war zu taktieren und zu verhandeln, als nur mit dem Entermesser voranzustürmen.
Der bekannteste Korsar Frankreichs ist nicht umsonst eine schillernde Figur und erwacht in diesem Roman zudem noch zu sympathischem Leben.