Jessica Oswald: Menaris - Untergang eines Helden (Buch)

Jessica Oswald
Menaris - Untergang eines Helden
Monolith Film Verlag, 2024, Taschenbuch, 224 Seiten, 12,99 EUR

Rezension von Christel Scheja

„Menaris - Untergang eines Helden“ ist der erste Roman der jungen deutschen Autorin Jessica Oswald, die heute in Nordafrika lebt. Ihre Geschichte hat wahre Anteile und soll sogar verfilmt werden.


Weil ihre Angststörungen durch die Pandemie immens zugenommen haben, beschließt Denise irgendwann sich das Leben zu nehmen. Sie springt in das Löwengehege des nahegelegenen Zoos, wird aber von Nils, einem der Tierpfleger, gerettet.

In einer Mischung aus Dankbarkeit und Fanatismus beginnt Denise ihm nachzustellen und findet so heraus, dass er Menaris ist, ein unerschrockener und edler Magierkrieger, der eine bedeutende Rolle in einer ganz neuen Welt spielt, was ihr besonderen Möglichkeiten gibt, vielleicht seine Liebe zu gewinnen.


Um die Heldin und ihr späteres Verhalten besser zu verstehen, lernt der Leser erst einmal Denise in ihrem gewohnten Zuhause kennen. Die Angststörungen, die sie an ihre Wohnung fesseln, werden sehr intensiv beschrieben, so als habe die Autorin selbst entsprechende Erfahrungen gemacht. Aus diesem Grund funktioniert auch die Ich-Erzählung so gut, man ist unmittelbar in dem Charakter.

Allerdings beginnt sie sich anfängliche Sympathien zu verscherzen, als sie anstatt nach Heilung zu suchen, sich ganz auf ihren Retter und dessen Hobby fixiert, Mit der Besessenheit eines Stalkers beginnt sie Nils nachzustellen, schleicht sich in seine Wohnung und seinen Freundeskreis ein und darf nicht zuletzt auch in die Welt des Live-Action-Rollenspiels eintauchen.

Hier macht sie eine interessante Wandlung durch, treten die Züge zutage, die bisher durch die Angst eher unterdrückt wurden. Und das macht sie auf eine faszinierende Weise beängstigend. Aber auch leider ziemlich unsympathisch.

Die Geschichte hat ihre Stärke, auch als Denise das erste Mal mit dem Live-Rollenspiel konfrontiert wird. Danach wird die Handlung leider von Kapitel zu Kapitel konfuser, denn es fließen auch noch andere Andeutungen mit ein, die letztendlich zu denken geben, und gelegentlich verliert sich der rote Faden in der Handlung.

Auch wenn die Beschreibung ihres Verhaltens konsequent ist, so kann die Hauptfigur doch gehörig Angst machen, gerade weil das Ende der Interpretation des Lesers überlassen wird, wenngleich das auch in sich stimmig wirkt. Zumindest aus Denises Wahrnehmung heraus.

Alles in allen hinterlässt „Menaris - Der Untergang eines Helden“ zwiespältige Eindrücke, denn auch wenn die Autorin ihre Hauptfigur recht intensiv in Szene setzt und es schafft, Realität und Fiktion ineinander fließen zu lassen, so erschafft sie doch einen Charakter, mit dem man irgendwann nicht mehr wirklich fühlen kann und verliert leider auch nach und nach die Handlung aus den Augen.