Everina Maxwell: Herz des Imperiums (Buch)
- Details
- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Samstag, 15. März 2025 09:51

Everina Maxwell
Herz des Imperiums
Winter‘s Orbit 1
(Winter‘s Orbit, 2021)
Übersetzung: Sabine Elbers
Titelbild: Magdiel Lopez
Cross Cult, 2024, Paperback, 552 Seiten, 18,00 EUR
Rezension von Carsten Kuhr
Kiem gehört der königlichen Familie an. Er steht in der Thronfolge so in etwa an gut vierzigster Stelle, fiel bislang eher durch seine feucht-fröhliches Eskapaden auf, als dass er seiner Großmutter eine Stütze gewesen wäre. Nun ist ein Cousin von ihm verunglückt und dessen Ehemann von einem der Vasallenplaneten des Reichs benötigt einen neuen Gemahl. Die Herrscherin hat ausgerechnet ihren nutzlosesten Enkel dazu bestimmt, in die großen Fußstapfen seines Vorgängers zu treten.
Auf die Ehe mit Graf Jainan kann er sich einen ganzen Tag lang vorbereiten, dann ist die Zeremonie auch schon gekommen.
Interessant wird die Angelegenheit dann so richtig, als Jainan verdächtigt wird, einen Mord begangen zu haben - und das ist nur der Beginn eines Intrigenspiels par excellence.
Everina Maxwell hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Space Opera in ein wokes Zeitalter zu führen. Entsprechend kredenzt sie ihren Lesenden Beschreibungen von Gesellschaften, in denen jede oder jeder sein Geschlecht frei wählen kann, in denen gleichgeschlechtliche, Triaden oder Quad-Beziehungen üblich sind und die Sprache diese Tatsachen widerspiegelt.
Vorliegender Roman öffnet den Reigen einiger Bücher, die in demselben Future-Universum angesiedelt sind, jedoch direkt nichts miteinander zu tun haben. Insofern lassen sich die Romane ohne Kenntnis der anderen Titel problemlos goutieren. Ich selbst habe ihre Schöpfung mit „Echo der Welten“ begonnen und nun ihr Erstlingswerk nachgeschoben.
Wie auch in ihrem späteren Roman bleibt die Beschreibung der Welt, in der sie ihre Handlung situiert hat, blass. Wir erfahren sehr wenig über die Machtverhältnisse, die politischen und sozialen Strukturen. Es gibt wohl eine Erbmonarchie nebst der entsprechenden Bürokratie, das Militär und die Händler. Dazu gesellt sich die Resolution, ein Bündnis aus Regierungskräften das das Link-Netzwerk betreibt. Über dieses wird der überlebensnotwendige Handel abgewickelt. Alien-Artefakte, sogenannte Relikte, werden von den Vertragspartnern gesammelt und als Tribut der Resolution übergeben.
Anders als in ihrem zweiten Roman konzentriert sich die Verfasserin vorliegend auf die Intrigen am Hof. Die Beziehungen untereinander, die Verdächtigungen, die Manipulationen - sie sind das Salz in der Suppe des auf uns wartenden Plots.
Erstaunlich fand ich dabei, dass die Romantik, die Anziehungskraft der beiden so abrupt miteinander verheirateten Männer, nur sehr dezent angesprochen wird. Das hat damit zu tun, dass sie Zeit benötigen, sich auf die plötzlichen Entwicklungen einzulassen.
Wenn da unerwartet und wohl auch ungewollt plötzlich ein neuer Ehemann an der Seite auftaucht, hat dies naturgemäß gewisse Auswirkungen auf einen Mann, der wie Graf Jainan gerade seinen Partner verloren hat.
Maxwell kann unzweifelhaft schreiben. Allerdings lässt sie sich viel Zeit, um ihre Handlung voranzubringen. Im Zentrum stehen die beiden Charaktere, deren gemeinsames Glück auf sich warten lässt. Der eingewobenen Abenteuer-Story mangelt es ein klein wenig an Substanz, sodass sie uns kaum richtig an die Seiten fesselt. Die Liebesgeschichte selbst ist zurückhaltend verfasst, ohne uns wirklich für die beiden Männer einzunehmen. Insoweit bietet das Buch einige interessante Ansätze in Richtung woker Erzählung, es mangelt mir aber etwas an Tempo und Spannung. Hier hat mir der zweite Band „Echo der Welten“ aus dem Universum der Everina Maxwell wesentlich besser gefallen.