Melissa K. Roehrich: Lady of Darkness - Liebe und Dunkelheit 1 (Buch)

Melissa K. Roehrich
Lady of Darkness 
Liebe und Dunkelheit 1
(Lady of Darkness, 2021)
Übersetzung: Antonia Zauner
Heyne, 2024, Paperback, 652 Seiten, 18,00 EUR

Rezension von Carsten Kuhr

Einst, so lange ist es gar nicht her, waren sie drei einsame, verlassene Straßengören, die nicht wussten, wie sie überleben sollten. Dann nahm sich der Assassinen-Anführer ihrer an, ließ sie von den Besten ihrer Profession ausbilden und formte aus ihnen das gefürchtetste Killer-Trio des Reiches - die „Schatten des Todes“.

Das war, bevor eine der Drei bei einem Auftrag getötet wurde und Scarlett sich an den Königshof zurückzog. Irgendwie aber ist das ewige Feiern und Futtern auch nicht so ganz ihr Ding.

Dann kommt ein unwiderstehliches Angebot: Der Meister der Assassinen hat endlich herausgefunden, wer für den Mord an ihrer Mutter, bei dem sie eigentlich auch hätte getötet werden sollen, verantwortlich ist. Der Preis für den Namen? Ein weiterer Hit, dieses Mal soll sie den König der Feuer-Fae meucheln.

Zuerst aber muss sie wieder in Form kommen - da kommt ihr der charismatische, erst kürzlich zum Hof gestoßene General Ryker gerade recht… fordert er sie doch auf der Trainingsmatte, wie kein anderer. Das geht nicht lange gut, zumal die Beiden aneinander hochgehen - was sich neckt, das… liebt sich noch nicht. Als ihr der General dann noch eröffnet, dass sie selbst, genau wie er auch, Fae sei, ist endgültig Schluss mit lustig. Was aber, wenn er recht hätte?


Was ist das für ein Roman, den Heyne uns hier als Auftakt einer fünfbändigen Reihe kredenzt?

Unschwer kann man den Plot der gegenwärtig so angesagten Romantasy zuordnen. Insofern geht es viel um Gefühlsverirrungen und Gefühlsverwirrungen, erstaunlich wenig um prachtvolle Roben. Das hat damit zu tun, dass unsere Erzählerin sich eigentlich in praktischer Kleidung wie skandalösen Hosen am wohlsten fühlt. In diesen kann sie sich besser bewegen, kämpfen und ihre dunkle Seite beim Töten willkommen heißen. Ja, Scarlett hat eine tiefdunkle Seite, versucht zwar immer, nachvollziehbare Gründe für den Mord, zu dem sie beauftragt wird, zu finden, hat aber erstaunlich wenig moralische Bedenken.

Was mir auffiel, war, dass Roehrich sich erfolgreich bemüht, nicht nur die „Love Story in the Making“ zu offerieren, sondern diese auch mit einer spannenden, ja dramatischen Handlung zu hinterfüttern. Dabei kann sie sich aber nicht richtig entscheiden, wie sie ihre Protagonistin charakterisieren soll. Zum einen wird uns Scarlett als toughe Meuchlerin voller Wut und Aggression vorgestellt, dann wieder gibt sie sich hilflos.

Die Autorin hält sich zu Beginn nicht lange damit auf, uns ihre Welt vorzustellen. Dies dürfen wir peu à peu mit unserer Erzählerin zusammen im Verlauf der Handlung nachholen. Wer sich ein wenig in der Fantasy auskennt, wird hier auf viel Bekanntes stoßen. Insofern lehnt man sich als Lesender entspannt zurück, um der Handlung dann in recht bekanntem Umfeld zu folgen.

Es werden so manche Geheimnisse eingeführt - schließlich muss die Grundlage für die Fortführung in den restlichen Bänden gelegt werden - und es knistert zwischen den Figuren, wobei hier auch nur Einiges angestoßen wird. Es bleibt abzuwarten, wie die Verfasserin ihre durchweg spannende, zum Teil packende Handlung fortsetzen wird.

Insgesamt ein durchaus kurzweiliger Romantasy-Auftakt, der sich vor den Bestsellern einer Maas oder Armentrout nicht verstecken muss.