XX (DVD)

XX
USA 2017

Rezension von Elmar Huber

„The Box“ (Regie: Jovanka Vuckovic, Vorlage: Jack Ketchum)
Auf dem Heimweg von den Weihnachtseinkäufen lässt ein Fremder den neugierigen Danny in seine Geschenkekiste schauen. Ein Blick, der den Jungen sichtlich verstört und eine anhaltende krankhafte Appetitlosigkeit zur Folge hat. Auch Dannys Schwester Jenny verspürt keinen Hunger mehr, nachdem er mit ihr über den Inhalt der Kiste geredet hat. Dasselbe passiert mit dem Vater. Da erinnert sich Mutter Susan an die Box und sucht den Mann in der U-Bahn.

„The Birthday Party” (Regie: Annie Clark)
Im Haus laufen bereits die Vorbereitungen für Tochter Lucys Geburtstagsparty als Mary die Leiche ihres Mannes in seinem Schreibtischstuhl findet. Offenbar hat er mit Tabletten Selbstmord begangen. Um den Tag nicht zu verderben, hält Mary den Vorfall vor Lucy und dem Hausmädchen Carla geheim. Nun gilt es, die Leiche zu verstecken und den Geburtstag hinter sich zu bringen.

„Don’t Fall“ (Regie: Roxanne Benjamin)
Zwei Pärchen sind mit dem Wohnmobil unterwegs, um einige Tage in der felsigen Einöde eines abgelegenen Nationalparks zu verbringen. Sie schlagen ihr Nachtlager nahe einem Felsen auf, der mit geheimnisvollen Malereien verziert ist. Eine der Frauen verletzt sich an den Felsen und beginnt, sich zu verwandeln.

„Her Only Living Son“ (Regie: Karyn Kusama)
Vor 18 Jahren hat Cora ihr altes Leben hinter sich gelassen und ist mit ihrem frisch geborenen Sohn Andy geflohen. Seitdem verstecken sie sich vor dem Vater des Jungen, dessen Erbe sich nun, nach seinem Geburtstag, immer stärker Bahn bricht. Doch er hat nichts zu befürchten, denn alle Personen in seinem Umfeld passen auf Andy auf.


Mit „XX“ hat Koch Films einen Anthologie-Film im Angebot, der ausschließlich von Regisseurinnen realisiert wurde. Eines vorweg: Wer Horror-Anthologien mag, sich gern überraschen lässt und es schätzt, mal was Neues auszutesten, wird auch hier seinen Spaß haben. Wer damit nichts anfangen kann, braucht sich auch „XX“ nicht anzuschauen.

Sieht man sich einige Langfilme im Horror-Bereich an, kann man schon feststellen, dass Frauen ein Händchen für (bedrohliche) Stimmungen haben und im Großen und Ganzen auch weniger effekthascherisch rüberkommen als ihre männlichen Kollegen – zum Beispiel „The Babadook“, „The Invitation“ (Regisseurin Karyn Kusama ist auch hier beteiligt). Außerdem zeigt „XX“, dass das Themenspektrum wie auch das technische Spektrum weit gefasst sind.

Während „The Box“ sehr ruhig und durchgeplant wirkt, mit klinisch-sterilen Bildern und ruhiger Kamera arbeitet, beackert „Don’t Fall“ mit einem eher dreckigen Natur-Look und unruhiger Kamera die andere Seite des Spektrums. „The Box“, nach einer Vorlage von Jack Ketchum („Evil“), ist auch der originellste Beitrag, obschon dem Rezensenten persönlich das Ende zu offen war. Alles andere sind Variationen bekannter Themen. „The Birthday“ erinnert an Hitchcocks „Immer Ärger mit Harry“ und kann sich nicht recht zwischen schwarzer Komödie und skurrilem Thriller entscheiden. „Her Only Living Son“ lässt an „Rosemaries Baby“ denken, nur, dass das ‚Baby‘ hier gerade dem Jugendalter entwächst. Und „Don’t Fall“ variiert den klassischen Werwolf-Stoff, inklusive Backwoods-Elementen.

Was hier nun ‚besser‘ oder ‚schlechter‘ ist, lässt sich gar nicht sagen. Da kein Totalaussetzer enthalten ist, liegt das, wie bei einer Anthologie allgemein üblich, an den persönlichen Vorlieben. Insgesamt bewegt man sich auf einem ordentlichen Level, das zum Beispiel die „V.H.S.“-Reihe schon gehalten hat. Ein Unterschied dazu ist, dass die Kurzfilme nicht in einem gemeinsamen Kontext stehen und in eine Rahmenhandlung eingebettet wurden. Zwischensequenzen gibt es dennoch, nämlich den bizarren Puppen-Stop-Motion-Film „La Casa Triste“ von Sofia Carrillo.

Das Plakat-/Covermotiv, die Verbindung von roten Lippen als weiblichem Attribut und einem Totenkopf, ist phantastisch gelungen.

„XX“ ist ein ordentlich gelungener Horror-Anthologie-Film. Für Fans des Genres bestens geeignet.