Marvel-Heldinnen 1: Domino: Auf Abwegen, Tristan Palmgren (Buch)

Marvel-Heldinnen 1
Domino: Auf Abwegen
Tristan Palmgren
(Domino: Strays, 2020)
Übersetzung: Stephanie Pannen
Titelbild: Joey Hi-Fi
Cross Cult, 2021, Taschenbuch, 334 Seiten, 15,00 EUR (auch als eBook erhältlich)

Rezension von Christel Scheja

Mit der neuen Reihe „Marvel-Heldinnen“ kommen mal die Figuren zu Wort, die meistens in der zweiten Reihe stehen: die Frauen. Ob es allerdings so gut ist, ausgerechnet mit Domino zu starten, die hierzulande eher unbekannt ist, steht auf einem anderen Blatt. Der amerikanische Autor Tristan Palmgren tut jedenfalls Einiges, um dem Leser die Figur und ihre Geschichte näher zu bringen.

 

Sie ist scharfsinnig, glücksmanipulierend und arbeitet nicht gerne im Team. Aber inzwischen hat die Söldnerin Domino einen guten Weg gefunden, nicht nur mit ihrer Gabe umzugehen, sondern auch mit den Dämonen, die sie quälen, den Erinnerungen an ihre eigene Jugend, in der sie lange Jahre in einer Einrichtung gefangen war, und an ihr experimentiert wurde…

Der Auftrag, den sie jetzt mit anderen übernimmt, wühlt genau diese lückenhaften Erinnerungen wieder auf. Ein gehirngewaschenes Zwillingspaar soll aus der Gewalt einer Chicagoer Sekte befreit werden, die nachweislich von einem Hochstapler angeführt wird.


Und das ist es auch, was die Heldin dem Leser ein wenig näher bringt. Der Autor setzt die Herkunft der Heldin nicht als gegeben voraus, sondern bettet sie in Rückblenden in die Handlung ein, ohne jedoch gleich alles zu verraten.

So lernt man Domino besser kennen und verstehen, kann nachvollziehen, was in ihr wühlt als Parallelen zu ihrer eigenen Vergangenheit auftreten. Die Rahmenhandlung bleibt daher eher flach und zurückhaltend, tatsächlich steht mehr im Vordergrund, wie sie damit umgeht und was sie selbst ertragen musste.

In der Hinsicht macht Palmgren alles richtig. Die Leser werden nach und nach mit der Figur vertraut, lernen sie kennen und fühlen mit ihr, gleichzeitig hat er auf beiden Ebenen die Gelegenheit auch spannende Momente einzubinden und so die nach Superhelden-Action gierenden Leser zufrieden zu stellen.

Heraus kommt ein flott geschriebenes Buch ohne Längen, das vor allem dadurch gewinnt, dass die Figur Charakter und Leben erhält und weniger durch das dahinter stehende Abenteuer.

„Domino: Auf Abwegen“ ist der interessante Start der Reihe „Marlve-Heldinnen“, denn anders als befürchtet gibt es nicht nur Action, sondern auch sehr viel Einblick in den Charakter einer vielschichtigen Heldin, die man gerade hierzulande so gut wie gar nicht kennt. Die Superfähigkeiten spielen auch eine geringere Rolle als gedacht, so dass sich das Ganze mehr wie ein unabhängiger Psycho-Thriller liest, für den man auch keine Vorkenntnisse mitzubringen braucht.