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Ralf Boldt & Wolfgang Jeschke (Hrsg.) Die Stille nach dem Ton Titelbild: Lothar Bauer p.machinery, 2012, Paperback im Überformat, 392 Seiten, 28,90 EUR, ISBN 978-3-942533-37-9
Von Carsten Kuhr
Lieben Sie die intelligente, sprachlich ausgefeilte SF-Kurzgeschichte? Wenn ja, dann ist vorliegende Anthologie kein Muss, sondern schlicht unabdingbare Notwendigkeit für ihre Buchsammlung. Verzichten Sie auf das Abendessen, auf Romane wenn es sein muss, zur allergrößten Not auch auf andere Anthologien, aber dieses Buch brauchen sie in ihrem Regal. Und was für ein Buch ist es geworden - schon das Äußere ist Aufsehen erregend. Bei einer Tiefe von 15 cm erwartet den Leser eine lichte Höhe von 30 – ausgeschrieben: dreißig! - Zentimetern. Und innen geht es weiter mit den Superlativen.
Zwischen 1985 und 1998 verlieh der SFCD seinen Literaturpreis, sowohl in der Rubrik Roman, als auch für die beste Kurzgeschichte des Jahres, seit 1999 wird der Preis als Deutscher Science Fiction Preis verliehen. Anders als der dpp, der von den Fans bestimmt wird, verleiht ein Literaturpreiskomitee den jeweils mit einem Preisgeld versehenen Award.
Achtundzwanzig Erzählungen wurde über die Jahre prämiert, achtundzwanzig Storys, die beweisen, wie vielfältig und abwechslungsreich deutsche SF sein kann - und die die Herausgeber erstmals gesammelt in diesem Mega-Ultra-Buch vorstellen. Auffällig dabei ist, dass sich die Verfasser aus einem überschaubaren Kreis von Autoren rekrutieren. So sind Mitherausgeber Wolfgang Jeschke und Michael K. Iwoleit jeweils mit drei preisgekrönten Beiträgen vertreten, Rainer Erler, Marcus Hammerschmitt und Michael Marrak jeweils mit zwei Geschichten. Umringt werden diese mehrfach mit Preisen bedachten Ikonen der deutschsprachigen SF von Verfassern, die Rang und Namen haben: Thomas R. P. Mielke, Gerd Prokop, Andreas Eschbach, Karl Michael Armer, Karla Schmidt oder die aktuelle Preisträgerin Heidrun Jänchen sind hier beispielhaft zu nennen.
Fast 400 Seiten besten Lesevergnügens erwarten den Leser. Beiträge, die zurecht ausgezeichnet wurden, die stilistisch wie inhaltlich überzeugen, so manches Mal überragend daherkommen, die dem Leser nicht nur Inhalte vermitteln sondern ihm auch etwas mitgeben, was nicht unbedingt greifbar ist, das aber jede wirklich gute Geschichte auszeichnet. Und dies sind sie alle, die 28 Beiträge, wirklich tolle Erzählungen voller Phantasie, Ideenreichtum und Abwechslung – das, was der modernen SF ansonsten oftmals gerade fehlt, hier findet man es überreichlich. Ein wichtiges, ein unterhaltsames, ein bereicherndes Buch eben.
1985: Thomas R. P. Mielke: Ein Mord im Weltraum 1986: Wolfgang Jeschke: Nekromanteion 1987: Reinmar Cunis: Vryheit do ik jo openbar 1988: Ernst Petz: Das liederlich-machend Liedermacher-Leben 1989: Rainer Erler: Der Käse 1990: Gert Prokop: Kasperle ist wieder da! 1991: Andreas Findig: Gödel geht 1992: Egon Eis: Das letzte Signal 1993: Norbert Stöbe: Zehn Punkte 1994: Wolfgang Jeschke: Schlechte Nachrichten aus dem Vatikan 1995: Andreas Fieberg: Der Fall des Astronauten 1996: Marcus Hammerschmitt: Die Sonde 1997: Michael Sauter: Der menschliche Faktor 1998: Andreas Eschbach: Die Wunder des Universums 1999: Michael Marrak: Die Stille nach dem Ton 2000: Michael Marrak: Wiedergänger 2001: Rainer Erler: Ein Plädoyer 2002: Michael K. Iwoleit: Wege ins Licht 2003: Arno Behrend: Small Talk 2004: Michael K. Iwoleit: Ich fürchte kein Unglück 2005: Karl Michael Armer: Die Asche des Paradieses 2006: Michael K. Iwoleit: Psyhack 2007: Marcus Hammerschmitt: Canea Null 2008: Frank W. Haubold: Heimkehr 2009: Karla Schmidt: Weg mit Stella Maris 2010: Matthias Falke: Boa Esperança 2011: Wolfgang Jeschke: Orte der Erinnerung 2012: Heidrun Jänchen: In der Freihandelszone |